Selbstständig als Person mit Zyklus
Ich bin aktuell in meiner Lutealphase. Für alle, die sich nicht so konkret mit dem Menstruationszyklus auskennen: Das ist die (viel zu lange) Phase vor der Periode, in der das Östrogen absinkt, das Progesteron ansteigt und das Energielevel langsam, aber sicher in den Keller wandert.
Ich für meinen Teil bin in dieser Phase sehr nachdenklich, muss mehr mit meinen Kapazitäten haushalten und versuchen, nicht zu stark auf meinen inneren Kritiker zu hören, der sich dann noch mehr auf Sachen stürzt, die ja ach so schlimm scheinen, obwohl sie das objektiv betrachtet gar nicht sind.
In der letzten Woche hatte ich eine überaus soziale Woche. Montag Essen gehen zu viert, Dienstag Tennis im Doppel, Mittwoch Pause, Donnerstag Networking Abendessen mit den Golden Females in Augsburg, Freitag Abendessen zuhause mit einem befreundeten Pärchen, Samstag ab nach München + Couch bei einer Freundin aufbauen, Sonntag Sport x Connect Event. Dazwischen hatten wir ich weiß nicht wie viele Hunde bei uns + Arbeiten natürlich. Es ging einiges.
So sehr ich diese Woche geliebt habe, sie lag nicht ganz in meiner Eisprungphase, sodass meine Energie außerhalb dieser Events ziemlich genau auf dem Level Couch hing. Da zeigt sich mir wieder mal, dass ich da doch noch mehr drauf achten darf.
Selbstständig als Person mit Zyklus bzw. Arbeiten als Person mit Zyklus: Ich rede so gerne darüber, weil es normal sein sollte das zu tun. Heißt auch, ich bin die Person, die z.B. beim Female Networking am Donnerstag ganz klar benannt hat, dass ich bei einer anderen Veranstaltung dabei sein wollte, meine Krämpfe das aber nicht zugelassen haben. War auch ein klarer safe space, muss ich dazu erwähnen. Und doch versuche ich, das nicht zwingend vom safe space abhängig zu machen.
Gestern Abend habe ich in den Roman “Geht so” von Beatriz Serrano weitergelesen. Es wird eine Situation beschrieben, in der der männliche Chef die Protagonistin nach Speakerinnen für ein Event fragt. Er selbst hat vier Männer gefunden, zwei davon ohne Beine. Aber für das Image wäre eine Frau doch auch ganz gut, die aber nicht nur über Frauenthemen redet, klar, sondern auch Männer empowert. Als die Protagonistin eine Menstruationstherapeutin vorschlägt (wirklich jede Person profitiert davon, darüber Bescheid zu wissen, sei es für den eigenen Körper oder einfach für ein kleines Stückchen Empathie), fragt der Chef: “Und was haben Männer davon?”
Ihre Antwort: “Na ja, wenn man es schafft mit einem Herrn ohne Beine mitzufühlen, könnte man es vielleicht auch schaffen, sich in eine Frau mit Hormonzyklus hineinzuversetzen.”
Deshalb werde ich immer wieder darüber reden. Ich sage nicht, das man das Level an “was ist schlimmer im Leben” vergleichen sollte. Aber rein statistisch gibt es mehr Personen mit Zyklus als ohne Beine. Also warum fällt es dann hier und da Personen leichter, sich in letzteres reinzuversetzen? “Ja, das könnte mir als Mann ja auch passieren.” Worauf ich nur sagen kann: “Du” bist auch nur durch die Genlotterie in dem Körper gelandet, in dem Du jetzt bist. Und überhaupt dreht sich die Welt nicht nur um Dich.
Zum Anfang dieses Textes hatte ich das Bedürfnis darüber mal wieder zu schreiben (mal wieder weil ich schon Content dazu auf meinen Socials habe hihi). Im Prozess fiel mir dann mehr auf warum. Ich stecke gerade selbst in der für mich herausforderndsten Phase meines Zyklus UND habe gestern dazu gelesen UND war die Woche viel im Austausch, habe viel auch über Feminismus gesprochen.
Lange Rede, kurzer Sinn: Positionierung ist wichtig. Darüber reden ist wichtig. Und ob selbstständig oder nicht, eine Arbeitswelt zu schaffen, die Leute mit Zyklus eher unterstützt als sie dafür, wofür sie nichts können (!!), zu bestrafen, ist verdammt nochmal wichtig.